
Die FIP bei der Katze ist eine sowohl von Tierhaltern wie auch von Tierärzten sehr gefürchtete Erkrankung. Unser Beitrag klärt intensiv über das Vorkommen und die Ursachen auf. Des Weiteren versuchen wir die Krankheit und ihre verschiedenen Verläufe deutlich und klar zu vermitteln.
FIP steht für: Feline Infektiöse Peritonitis. Das heißt: Die Katze leidet an einer Entzündung des Bauchfells. Das Bauchfell ist eine silberfarben glänzende Schicht in der Bauchhöle eines jeden Säugetieres. Es kleidet den Bauchraum aus und umgibt die meisten inneren Organe. Der Auslöser beziehungsweise der Erreger dieser Krankheit ist das Feline Enterale Coronavirus, das mit den Buchstaben FCoV abgekürzt wird. Aber, und jetzt müssen Sie genau aufpassen, das FCoV unterscheidet man in zwei Formen:

Das FCoV haben viele Katzen und das muss nichts Schlimmes bedeuten. Das FIPV hingegen ist eine Mutation des FCoV, befällt fast alle Organe und ist tödlich. Diese beiden Formen unterscheiden sich zwar in ihren auslösenden Ursachen, von der Form aber sind sie so identisch, dass man sie weder von ihrer Struktur noch antigenetisch auseinander halten kann. Das ist ein großes Problem, zu dem wir später noch einmal kommen werden. Jetzt aber erst einmal genauere Erklärungen zu den beiden Formen:
FCoV - das weniger schlimme Virus
FCoV steht für: Felines Enterales Coronavirus. Hierbei handelt es sich um ein avirulantes Virus. Das heißt, dieses Typ Virus hat eine geringe Fähigkeit, andere Organismen zu infizieren. Hat eine Katze diese Coronaviren, müssen Sie das gar nicht bemerken. Häufig bekommt das Immunsystem diese Viren in den Griff und verscheucht sie über den Kot aus dem Darm. Wenn es zu Erkrankungen kommt, dann sind das oft nur leichte Durchfälle oder eine Infektion des Atemwegssystems.
FIPV - das schlimme Virus
FIPV steht für: Felines Infektiöses Peritonitis Virus. Das ist also die Bauchfellentzündung von der wir oben berichtet haben. Bei dieser Erkrankung ist das Virus nun hochgradig krankheitsauslösend geworden, was bedeutet, es hat eine hohe Fähigkeit andere Organismen zu schädigen. Hat eine Katze dieses Virus, verläuft die Krankheit immer tödlich. Wissenschaftlich ist bekannt, dass sich, je größer die Anzahl an Viren im Körper wird, die Gefahr der Mutationen erhöht. Das bedeutet für uns im Umkehrschluss, dass das Immunsystem der Katze nicht so arbeitet wie es sollte, denn im Normalfall bekämpft es diese Viren ja und kann sie auch gänzlich eliminieren.
Genaue Kenntnisse, warum das Virus mutiert, gibt es nicht. Dennoch gibt es einige Anzeichen, in denen die Gefahr einer Erkrankung besonders groß ist. Dazu zählen: Erstens: Eng zusammenlebende Katzenpopulation mit erhöhter Übertragungsgefahr. Zweitens: Stresssituationen sind sehr gefährlich, weil sie das Immunsystem schwächen. Häufig erkranken kleine Katzen, nachdem sie zu ihren neuen Haltern gekommen sind. Drittens: Andere Erkrankungen, da auch diese das Immunsystem schwächen. Viertens: Dauerausscheider (dazu unten mehr). Die Reihenfolge der Punkte enthält keine Wertung.
Wie bekommt eine Katze das Coronavirus und gibt es besonders gefährdete Tiere?
Zunächst einmal sollten Sie wissen, dass es dieses Virus weltweit gibt und Schätzungen davon ausgehen, das bis zu 50 Prozent aller Katzen schon einmal Kontakt mit ihm hatten.
Die Ansteckung mit FCoV von einer Katze auf die andere, erfolgt über die Nase oder den Mund. Aber es geht auch eine große Gefahr vom Kot der Katze aus. Im Kot können sich Millionen Erreger befinden, mit denen sich die Katze, bei einem ihrer üblichen Säuberungsprozess, über die Zunge infizieren kann. Der Kot weist eindeutig das größte Ansteckungspotential auf, was auch dadurch belegt wird, dass freilebende Katzen nicht so oft an FIP erkranken. Freigänger verscharren ihren Kot und andere Katzen kommen so gut wie nie mit ihm in Kontakt. Das sieht natürlich bei Stubentigern und ihren Katzenklos ganz anders aus. Es ist aber, um den Anspruch der Vollständigkeit gerecht zu werden, auch eine Infektion über den Urin und die Augenflüssigkeit möglich.
Infizierte, aber deswegen nicht zwingend erkrankte Katzen, können FCoV ununterbrochen über Monate mit dem Kot ausscheiden. Das sind die sogenannten Dauerausscheider. Gerade von diesen Tieren geht ein erhöhter Infektionsdruck auf andere Katzen aus, weil bekannt ist, dass der Kot von Dauerausscheidern pro Gramm bis zu einer Million mal mehr FCoV enthalten kann, als der Kot von Katzen die nur selten FCoV ausscheiden. Dieser Sachverhalt scheint die absolut größte Gefahr für Katzen zu sein. Ein Nachweis der Erreger im Kot ist über zwei Methoden möglich. Entweder über ein Elektronenmikroskop oder über die RT-PCR Methode. Das steht für Real Time Polymerase Kettenreaktion.
Untersuchungen ergaben, dass Katzen in Katzenzuchten, in Katzenstationen, in Tierpensionen, in Tierhandlungen oder in Tierheimen in 80 bis 90 Prozent der Fälle bereits einmal in Kontakt mit FCoV waren. Die Gefahr ist bei einzeln gehaltenen Katzen deutlich niedriger. Hier ergaben die Untersuchungen Ergebnisse zwischen 10 und 50 Prozent.
Neben den Katzen aus großen Populationen sind vor allem junge Katzen zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem zweiten Lebensjahr betroffen. Reinrassige Katzen trifft es öfter als nicht kastrierte Katzen. Interessant sind noch die Untersuchungsergebnisse wie oft ältere Katzen, die in einem Ein- oder Zweikatzenhaushalt leben, davon bedroht sind, an FIP zu erkranken. Es sind, im Vergleich zu den fünf Prozent die es in großen Gruppen trifft, mit 0,02 Prozent verhältnismäßig wenige.
Was passiert, wenn eine Katze FCoV aufgenommen hat?
Hat die Katze die Viren über den Mund oder die Nase aufgenommen, gelangen diese in den Darm, heften sich dort an und dringen in die Zellen ein. Sie vermehren sich und töten die Zellen, in die sie eingedrungen sind, ab. Kann die Immunabwehr der Katze die Viren nicht auf den Verdauungstrakt begrenzen, verteilen sich diese über den Blutstrom in der Katze und gelangen auch in die Organe. Dadurch dringen die Viren in immer mehr Zellen ein und ihre Anzahl nimmt stark zu. Mutieren die Viren nicht, kann die Katze monate- oder jahrelang damit leben, ohne lebensbedrohende Krankheiten zu bekommen. Ob, wann und warum die Viren mutieren, ist bis heute wissenschaftlich nicht bekannt.
Ist das Immunsystem der Katze hingegen stark genug und unterliegt es keinem starken Infektionsdruck durch andere Katzen, scheidet es auf Dauer alle Viren aus. Lediglich die gebildeten Antikörper, die man fast immer nachweisen kann, lassen den Rückschluss zu, dass die Katze einmal von FCoV befallen war. Antikörper lassen aber keinen Rückschluss auf eine FIP zu!!
Bei Katzen, die von FCoV befallen sind, kann es zu Durchfall, Erbrechen und einer leicht erhöhten Körpertemperatur kommen.
Welche Symptome zeigt eine an FIP erkrankte Katze?
Wir weisen an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass wir in diesem Absatz nicht über die Symptome der Katze schreiben, die von FCoV befallen ist, sondern die Symptome der Katze beschreiben, die von den tödlichen FIP Viren befallen ist.
Erste Anzeichen einer FIP sind Fressunlust und eine verminderte Aktivität. Des Weiteren kann es zu entzündlichen Ablagerungen in den Augen kommen, anhaltendem Fieber, Gelbsucht und Teilnahmslosigkeit. Bei einigen Katzen kommt es zu einer Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle. Diese können so groß werden, dass sie den Haltern auffallen.
Warum ist die Diagnose von FIP so schwierig?
Die Krankheit und ihre unterschiedlichen Auswirkungen, sind sehr komplex. Zudem gibt es bis heute keine Tests, die in einer Tierarztpraxis eingesetzt werden können, mit der man FIP zu 100 Prozent nachweisen könnte. Die einzige Möglichkeit, zu Lebzeiten der Katze FIP nachzuweisen, ist eine Biopsie. Das heißt, man müsste der lebenden Katze Organproben entnehmen und diese in einem Labor untersuchen lassen. Zunächst sollten aber folgende Untersuchungsmöglichkeiten vorgenommen werden: Röntgen und Ultraschall, Blut- und Urinanalysen sowie eine Analyse der Flüssigkeit aus dem Bauchraum.
Die Symptome bei der FIP verlaufen sehr unterschiedlich. Das liegt unter anderem daran, dass so viele Organe betroffen sein können. Oft sind die Leber, der Darm, die Nieren, die Bauchspeicheldrüse, das zentrale Nervensystem und die Augen betroffen. Wegen dieser Komplexität müssen immer wieder Ausschlussverfahren zu anderen Erkrankungen vorgenommen werden. Das ist auch keine leichte Angelegenheit, weil es mehrere andere Krankheiten sein können, die ähnliche Symptome zeigen wie die FIP.
Es gibt in der Praxis allerdings einen helfenden Test zur Untersuchung der FIP bei Katzen, die ein flüssiges Sekret in der Brust- und Bauchhöhle gebildet haben. Dieser Test heißt: Rivalta-Probe. Sie erfordert keine teure Technik. Man nimmt ein Reagenzglas und füllt es mit destilliertem Wasser und Eisessig. Dann gibt man einen Tropfen von dem Sekret hinzu. Bleibt der Tropfen in seiner Konsistenz bestehen, verweilt an der Oberfläche oder sinkt langsam nach unten, ist die Probe positiv und die Wahrscheinlichkeit einer FIP liegt bei 84 Prozent. Löst sich der Tropfen auf, ist das Ergebnis negativ. Dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Katze kein FIP hat allerdings bei 97 Prozent.
Kommt die Untersuchung aber zu dem Resultat, dass die Katze FIP hat, sollten keine weiteren Versuche unternommen werden der Katze zu helfen, da bis heute alle Rettungsversuche scheiterten.
Warum ist die Krankheit nicht mit der PCR Methode zu beweisen?
Da es garantiert Katzen gibt, die wegen einer angeblichen FIP Erkrankung eingeschläfert werden, obwohl sie gar kein FIP haben, ist gerade dieser Absatz so wichtig. Viele glauben es gibt einen FIP-Test und verwechseln diesen mit dem Coronavirus-Antikörpertiter-Test. Mittels der PCR Methode kann man analysieren ob eine Katze FCoV hat. Obwohl von einigen behauptet wird, dass man mit dieser Methode eine FIP nachweisen kann, so müssen wir darauf hinweisen, dass renommierte Wissenschaftler davor warnen. Die PCR Methode ist dazu da, herauszufinden ob eine Katze FCoV hat. Sie kann aber nicht zwischen den eher harmlosen FCoV und den tödlichen FIPV unterscheiden.
Die Form, oder die Formen, in der die FIP ausbricht
An verschiedenen Stellen geht man bis heute davon aus, dass die Krankheit in zwei unterschiedlichen Verläufen auftritt, einer "feuchten Form" und einer "trockenen Form". Neueste wissenschaftliche Untersuchungen verweisen aber darauf, dass diese Einteilung irreführend ist, weil es bei beiden Formen entzündungsbedingte, knotenartige Gewebeneubildungen gibt. Allerdings gibt es bei der "feuchten Form" zusätzlich eine Flüssigkeitsansammlung in der Bauch- oder Brusthöhle. Verständlicher wäre also eine Einteilung in eine FIP mit oder ohne "Flüssigkeitsansammlung in der Bauch- oder Brusthöhle".
Durch die Erkrankung an FIP kann es bei der "feuchten Form" unter anderem eher zu Schädigungen folgender Organe kommen: dem Bauchfell, der Leber, dem Gehirn, den Nieren, dem Brustfell, den Lymphknoten und der Milz. Bei der "trockenen Form" sind das eher: die Nieren, das Bauchfell, die Lymphknoten, die Leber, die Bauchspeicheldrüse, die Milz, das Gehirn, die Hirnhaut und das Auge.
Kann eine Katze eine andere Katze mit mutierten Viren anstecken?
Das ist noch nicht auszuschließen, wie so vieles bei dieser Krankheit, aber genetische Untersuchungen haben ergeben, dass den mutierten FIPV bestimmte Teile an Chromosomen fehlen. Aus dieser Erkenntnis zieht die Wissenschaft den Rückschluss, das FIPV nicht von einer Katze auf eine andere Katze übertragen wird, sondern, dass das FIPV immer durch eine Mutation in der jeweiligen Katze selbst entsteht. Zudem ist es bis heute noch nicht gelungen, mutierte Coronaviren in Kot und Urin nachzuweisen.
Auch andere Erkenntnisse lassen den Rückschluss zu, dass eine direkte Ansteckungsgefahr sehr unwahrscheinlich ist. Seltener sind zwei Tiere aus einer Gruppe betroffen und erkranken an FIP.
Sollte oder kann ich meine Katze impfen lassen?
Seit kurzer Zeit gibt es in den USA und Europa einen Impfstoff. Allerdings ist seine Wirkung sehr umstritten. Grundsätzlich sollten Katzen nicht jünger und auch nicht älter als 16 Wochen sein, wenn sie zum ersten Mal geimpft werden. Die zweite Impfung hat dann genau im Alter von 20 Wochen zu erfolgen. Auf keinen Fall sollten Katzen geimpft werden, die schon einmal in Kontakt mit dem FCoV waren, weil sie durch eine Impfung noch eher an FIP erkranken können. Wir schließen uns der Meinung einiger Wissenschaftler an und empfehlen nicht zu impfen, müssen aber fairer Weise hinzufügen, dass wir noch von keinen negativen Ergebnissen gehört haben, bei Katzen die geimpft wurden und FCoV frei waren.
Gibt es Maßnahmen wie ich meine Katze schützen kann?
Da bei Ausbruch der FIP von medizinischer Seite bis heute keine Hilfe zu erwarten ist, können Sie, wenn Sie mehrere Katzen halten, nur versuchen den Infektionsdruck auf jede einzelne Katze so gering wie möglich zu halten. Das können Sie über die Haltung kleinerer Gruppen, ordentlicher Hygiene bei Trink- und Fressnäpfen, einer hohen Anzahl an Katzenklos und die häufige Entnahme des Kots erreichen.
Im Besonderen möchten wir aber auf die Untersuchungen hinweisen die Sie unternehmen können, um Dauerausscheider zu enttarnen. Wie bereits erwähnt, geht von diesen Tieren eine besonders große Gefahr aus. Mittels der quantitativen TaqMan-PCR-Methode erfahren Sie mehr. Die Universität in Zürich hat dazu ein spezielles Verfahren entwickelt. Sie empfiehlt der Katze viermal im Monat im wöchentlichen Rhythmus Kot mittels eines Wattestäbchens zu entnehmen und analysieren zu lassen. Gibt es einen Dauerausscheider in Ihrer Gruppe, sollten Sie ernsthaft überlegen, ob Sie diesen nicht von Ihren anderen Katzen trennen. Sie können damit das Risiko Ihrer anderen Katzen erheblich reduzieren.
Was sollten Sie unternehmen, wenn Ihnen eine Katze an FIP verstorben ist?
Bevor Sie eine neue Katze zu sich holen sollten Sie alle Oberflächen mit handelsüblichen Desinfektionsmitteln reinigen. Da Coronaviren länger überleben können, sollten Sie sicherheitshalber drei Wochen warten bis Sie sich eine neue Katze in Ihren Haushalt holen.
Wir hoffen, dass Ihre Katze nicht an einer FIP erkrankt ist und deshalb wünscht Ihnen die Familie Barich
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