HUNDE - Wenn's doch ... Krankheiten

Borreliose - eine schwer zu entlarvende Krankheit beim Hund! Was steckt dahinter?

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Über die Borreliose beim Hund, ihrem Krankheitsverlauf, den Diagnoseformen, ihren Behandlungsmöglichkeiten und den denkbaren Impfungen wird viel geschrieben, gestritten und diskutiert. Wir geben gerne zu, dass zum Thema Zecken und Borreliose noch vieles unerforscht ist. Es herrscht noch ein großer Aufklärungsbedarf. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum so vieles, was man zu diesem Thema findet, schwammig erscheint. Wir versuchen auf Pets-Doc-Blog Licht auf diese Seiten zu werfen. Wir hoffen, dass uns das in Ihrem Interesse gelungen ist.

Der Auslöser der Borreliose

Ausgelöst wird die Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, durch Bakterien mit dem Namen: Borrelia burgdorferi sensu lato. Benannt sind sie nach ihrem Entdecker Dr. Willy Burgdorfer und dem Ort, wo sie zum ersten Mal im Jahr 1982 ausfindig gemacht wurden, in der Stadt Lyme in den USA. Übertragen wird diese Infektionskrankheit ausschließlich über Zecken.

Es scheint alles dafür zu sprechen, dass die Zecke Ihren Hund nicht sofort nach dem Stich infiziert. Die Borrellien sitzen im Mitteldarm der Zecke und benötigen, um über ihren Speichel in Ihren Hund zu gelangen, ca. 24 - 48 Stunden. Anschließend verteilen sie sich in der Haut, den Gelenken und im Zentralen-Nervensystem.

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Die Symptome

Das Dilemma ist, dass diese Krankheit kein typisches Erscheinungsbild zeigt. Das ist einer der Gründe, warum eine hundertprozentige Diagnose so schwierig ist. Der Verlauf kann in mehreren Schüben erfolgen. Nach einem Zeckenbiss und einer erfolgten Infektion, können zwischen zwei und fünf Monate vergehen, in denen Sie keine Veränderung an Ihrem Hund feststellen. Dann aber können folgende Anzeichen auftreten: Fieber, Gelenksentzündungen sowie Einblutungen an den Stellen, an denen die Zecke gestochen hat. Zu späteren Zeitpunkten sollen Nierenerkrankungen, neurologische Symptome sowie Herzmuskelentzündungen durch die Borreliose ausgelöst werden können. Somit ist auch nicht auszuschließen, dass die Krankheit tödlich verlaufen kann.

Es sei an dieser Stelle explizit noch einmal darauf hingewiesen, dass die Borreliose und ihre Wirkungen noch lange nicht zu Ende erforscht sind. Eine Diagnose der Symptome ist zurzeit sehr selten eindeutig möglich. Bisher ist nur erwiesen, dass Borrelien Erkrankungen verursachen.

Der Verlauf der Krankheit

Der Verlauf der Krankheit erfolgt schleichend. In den ersten Tagen nach dem Zeckenbefall kann es zu Fieber, Appetitlosigkeit und Schlaffheit bei Ihrem Hund kommen. Dann scheint für Wochen oder bis zu fünf Monaten alles wieder normal. Plötzlich tritt eine Lahmheit auf. Diese Lahmheit, so wie sie in der Wissenschaft bezeichnet wird, würden wir eher als ein Hinterherhinken beschreiben. So, als wenn dem Hund alles weh täte. Diejenigen, die beim Spazieren gehen früher ganz vorne waren, sind jetzt hinten. Diejenigen, die gerne Ball spielen, wollen jetzt lieber nicht mehr spielen.

Dieses Hinterherhinken kann in Schüben auftreten. Es kann sich von links nach rechts verlagern oder von vorne nach hinten. Es kann nach wenigen Tagen wieder verschwinden, auch ohne eine Behandlung. Aber es kann auch, und das ist ja das Dilemma, wieder auftreten oder ganz bleiben und damit dann chronisch werden.

Warum erkranken so wenige Hunde an Borreliose?

Laut der Professorin Dr. Katrin Hartmann, von der Ludwig-Maximilians-Universität in München, sind bis zu 30 Prozent unserer Zecken mit Borrelien infiziert. Bis zu 95 Prozent unserer Hunde sind aber - Gott sei Dank - Antikörper-positiv. Aus vielerlei Quellen ist immer wieder zu hören, dass bei einem sehr geringen Teil der Hunde, die sich mit Borrelien infiziert haben, Erscheinungen einer Erkrankung auftreten. Woran kann das liegen? Schauen wir zunächst auf das, was nach dem ersten Stich der Zecke passiert:

Nach dem ersten Stich reagiert das Immunsystem Ihres Hundes unspezifisch, scheinbar so, als wisse es nicht, was es mit dem neuen Zeug im Körper anfangen soll. Erst nach ungefähr einer Woche stellt das Immunsystem Ihres Hundes, erste spezielle Antikörper gegen die angreifenden Borrelien zur Verteidigung auf. Eine "natürliche" Impfung sozusagen. Das körpereigene System tötet die Bakterien. Genial, was die Natur so alles kann. 

Aber warum kommt es dann dennoch zum Ausbruch der Krankheit bei einigen Hunden? Eine Frage über deren Antwort noch spekuliert wird. Zwei mögliche Ursachen möchten wir Ihnen dennoch präsentieren:

Ein Grund könnte eine aktuelle Schwächung des Immunsystems Ihres Hundes sein. Es geht ihm gerade nicht so gut oder er hat derzeit mit einer kleineren, anderen Infektion zu kämpfen. Das eigene Immunsystem schafft es nicht, die Borrelien ausreichend zu bekämpfen. Es kommt zu ersten Anzeichen der Krankheit. Ein weiterer Grund könnte in der Domestizierung unserer Hunde liegen. Zecken sind schon viel länger auf der Welt als unsere Hunde. Wildtiere im Übrigen auch. Trotzdem scheinen Wildtiere, die auch stark von Zecken befallen werden, keine Probleme mit den Borrelien zu haben. Sie besitzen vermeintlich eine genetisch bedingte Resistenz! Dieser automatische Schutz könnte, in den tausenden von Jahren, in denen die Menschheit Hunde züchtet, bei einigen Hunden verloren gegangen sein.

Ein Nachsatz sei noch erlaubt zu diesem Thema. Unabhängig von der niedrigen prozentualen Erkrankung sind auch deshalb so wenige Hunde betroffen, weil vielen Hundehaltern klar ist, wie wichtig ein vernünftiger Zeckenschutz, mit Mitteln aus den Apotheken oder noch besser von Ihrem Tierarzt, ist. Nicht weil die Mittel, die Sie bei Ihrem Tierarzt bekommen andere sind, sondern deswegen, weil der Tierarzt vermutlich einen besseren Überblick darüber hat, welches Mittel für genau Ihren Hund am besten erscheint.

Warum sind die Borreliose Impfungen so umstritten?

Diese Frage ist ein sehr wichtiger Punkt und hat unter anderem auch damit zu tun, welche Arten der Borrelien in Europa und in den USA vorkommen. Wir versuchen es Ihnen möglichst einfach zu beschreiben. Es gibt verschiedene Gruppen der "Borrelia". Für uns entscheidend ist die Gruppe mit dem Namen: Borrelia burgdorferi sensu lato. Diese Gruppe gilt als Erreger der Lyme-Borreliose. Innerhalb dieser Gruppe gibt es drei Arten, die sich voneinander unterscheiden. Allen gemein ist, dass sie die Krankheit auslösen können. Dennoch gibt es Unterschiede. 

Wir müssen an dieser Stelle - zum besseren Verständnis - die Namen nennen: 1. Borrelia burgdorferi sensu stricto 2. Borrelia afzelii und 3. Borrelia garinii. Nummer zwei und drei machen bei uns einen Anteil von bis zu 90 Prozent aus. In den USA soll es sie gar nicht geben. Nummer eins hingegen kommt bei uns höchstens zu zehn Prozent vor, in manchen Regionen fehlt sie vollkommen.

Der Impfstoff den Sie in Deutschland, ist aber gegen die Nummer 1 ausgerichtet. Also diejenigen, die in den USA zu hundert Prozent vorkommen und bei uns selten oder gar nicht. In den USA mag der Impfstoff ja sinnvoll sein. Schaut man sich aber die Zahlen bei uns und die sich durch eine Impfung ergebenden Risiken genauer an, kommt man ins Grübeln. 

Die zurzeit in Deutschland zugelassene Impfung enthält laut Frau Prof. Hartmann viele unnötige Komponenten und kann so genannte "immun-mediierte Reaktionen" hervorrufen. Eine solche Reaktion kann z.B. zur Blutarmut führen, was wiederum tödlich enden kann.

Noch überzeugter, sich gegen eine Impfung auszusprechen wird man durch eine Untersuchung der Universität Leipzig. Die Forscher fanden heraus, dass der Impfstoff, der bei uns gegen die Borreliose verwendet wird, keinen Schutz gegen die Borrelien bietet, die bei uns am häufigsten vorkommen (Nummer 2 und 3). Das war dann auch für uns, einer der letzten Beweise, warum auch wir, wie andere Experten, von dieser Impfung abraten.

Was sollte man bei einem Hund beachten, der dennoch geimpft werden soll?

Wenn ein Hund dennoch eine Borreliose Impfung erhalten soll, ist vorher auf jeden Fall eine Antikörpertiter Bestimmung durchzuführen. Das heißt, es soll untersucht werden, ob der Hund bereits von einer infizierten Zecke gebissen wurde. Soweit es bekannt ist, bilden alle Hunde, die mit Borrelien infiziert wurden, Antikörper. Hat der zu impfende Hund diese Antikörper, ist von einer Impfung abzuraten.

Welche Behandlung erscheint sinnvoll? Wie sind die Aussichten?

Diese Frage ist am einfachsten zu beantworten. Eine Behandlung erfolgt am besten mit dem Antibiotikum Doxycyclin. Die Vergabe des Medikaments erfolgt idealer Weise über drei bis vier Wochen. Die Therapie hat zwei Ziele. Zum einen müssen die Erreger abgetötet werden und zum anderen muss das gebildete Nervengift aus dem Körper gedrängt werden. Vorsicht vor diesem Medikament ist bei trächtigen Hündinnen und Junghunden geboten. 

Die Aussichten auf eine gute Genesung sind mit den richtigen Medikamenten und der richtigen Vergabe durchaus sehr positiv. Trotzdem sollte man mit dem Einsatz eines Antibiotikums niemals leichtfertig umgehen. Da sollte sich die Diagnose schon sehr genau verdichtet haben.

Fraglich bleibt leider nach wie vor, ob man mit dieser Behandlung alle Erreger vernichtet hat. Aber: Auch wenn die Krankheit vollständig besiegt worden sein sollte, besteht die Gefahr, dass sich Ihr Hund erneut ansteckt!

Warum ist der Nachweis der Borreliose so schwierig?

Man könnte versuchen, den Nachweis auf eine Borreliose dadurch zu erbringen, in dem die Zecke, die Ihren Hund gebissen hat, auf Borrelien untersucht wird. Das wäre der einfachste Weg. Aber wer hat die lebende Zecke noch, wenn die ersten Anzeichen auftauchen?

Das Problem des Nachweises besteht darin, dass man die Erreger im Blut selten findet. Im Blut findet man Antikörper. Diese bildet der Organismus aber auch, wenn er Borrelien abwehren möchte, der "natürliche" Schutz. Das heißt aber noch nicht, dass der Hund krank sein muss oder, das der Grund für eine Lahmheit eine Borreliose ist. Das könnte auch andere Ursachen haben.

Es gibt zwar verschiedene Analysemöglichkeiten. Es kommt aber oft zu falschen Diagnosen, sowohl in die eine Richtung als auch in die andere. Zurzeit ist leider keine der Analysen eindeutig. Der nächste Ansatz soll das verständlicher machen.

Wenn wir einen Hund zum Beispiel im Gelenk punktieren, um den Erreger zu finden, wissen wir nicht genau, wo und wann wir im Gelenk etwas entnehmen sollen. Zu wenig ist über die zeitlichen Verläufe der Borrelien in Hunden bekannt. Somit wird die Entnahme aus dem Gelenk ein wenig zur Glückssache. Findet man keine Erreger, so sagt das PCR Ergebnis, das keine Krankheit vorliegt (PCR steht für Polymerase-Kettenreaktion, es ist ein anerkanntes modernes Verfahren um Infektionen aufzudecken). Und das, obwohl an anderen Stellen Erreger vorhanden sein können. Dieses Ergebnis ist also NICHT eindeutig. Anders ist das der Fall, wenn die PCR in unserer Probe wirklich Erreger gefunden hat. Denn dann ist das PCR Ergebnis eindeutig. Das Verfahren erkennt die Borrelien. Damit hat man eine handfeste Beweislage: Der Hund ist an Borreliose erkrankt.

Sollten gesunde Hunde auf Borreliose untersucht werden?

Nur wenn sie geimpft werden sollen. Ansonsten nicht. Die Gefahr, dass eine Fehldiagnose, ohne erkennbare Krankheitssymptome erfolgt, ist einfach zu hoch. Viele Hunde werden einen Antikörpertiter haben, weil sie schon einmal von infizierten Zecken gestochen wurden. Dieser Antikörpertiter soll bis zu über einem Jahr, nach der Infektion nachweisbar sein.

Kann Ihr Hund Sie oder andere Tiere anstecken?

Das ist eine der wenigen Fragen, die wir in diesem Kontext positiv beantworten können. Ist Ihr Hund infiziert kann er weder Sie noch andere Hunde anstecken. Nur stechende Zecken können Tiere und Menschen anstecken.

Fazit

Die Borreliose ist eine ernst zunehmende Krankheit. Auch wenn nur sehr wenige Hunde, die von einer Zecke befallen wurden, erkranken, so kann uns das nicht zurücklehnen lassen. Schaut man sich die Entwicklungen bei Zecken und ihren Erregern in den letzten 20 Jahren an, so lässt dieses keine Linderung für die Zukunft versprechen sondern eher eine Ausweitung der Bedrohung.

In der nahen Zukunft müssen wir unsere Hunde weiterhin besser schützen, damit sie erst gar keine Zecken bekommen können. Für diese, längst nicht selbstverständlichen Schutzmechanismen, sollten wir sehr dankbar sein. Das gab es früher nicht! In unserem Artikel: "Zecken gefährden unsere Hunde. Warum ist effektiver Zeckenschutz so wichtig?" erfahren Sie, welche Zeckenmittel wir Ihnen genau empfehlen.

Für die ferne Zukunft wollen wir hoffen, dass es unseren Wissenschaftlern gelingt, einen noch besseren Schutz für unsere Hunde und natürlich auch für uns Menschen zu erforschen. Eine schützende Impfung oder etwas ganz Neues. In dieser Hoffnung verbleibt Familie Barich mit Ihrem Gruß:

Fröhliche vier Tatzen

P.S.: Wenn Ihnen dieser Beitrag oder unser ganzer Blog gefallen hat, dann haben wir eine kleine Bitte an Sie. Überlegen Sie doch bitte einmal, ob Sie Bekannten von uns berichten können. Per Mail oder in einem Forum. Das würde uns sehr freuen und auch sehr in unserer Arbeit bestätigen. Wir freuen uns auch über jeden Link zu Pets-Doc-Blog.de - Vielen Dank - Ihre Tierarztpraxis Barich

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Bild: Tierarztpraxis Barich, Strausberg 2010

 

 

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