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Epilepsie beim Hund. Was ist das und was können Sie tun?

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Die Geschichte der Epilepsie ist älter als die Menschheitsgeschichte, da auch andere Wesen mit komplexen Gehirnen, wie zum Beispiel Affen, Epilepsie haben können. Wir behandeln in diesem Artikel aber die Epilepsie beim Hund. Was ist das für eine Krankheit und was können Sie unternehmen?

 

Erklärungsansatz – was versteht man unter Epilepsie?

Das Wort Epilepsie stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „der Anfall“. Wir verstehen heute darunter eine Krankheit, bei der es zu mindestens einem Krampfanfall kommt, der nicht vorhersehbar war und nicht durch Entzündungen oder Vergiftungen ausgelöst wurde. Ursache solcher Anfälle ist das gleichzeitige Entladen von Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn. Daraus können sich spontane Bewusstseins- und Verhaltensstörungen ergeben, die sich in ihrem Aussehen und in ihren Empfindungen aber immer sehr ähnlich sind.

„Geschichte“

Die Geschichte der Epilepsie ist älter als die Menschheitsgeschichte, da auch andere Wesen mit komplexen Gehirnen, wie zum Beispiel Affen, Epilepsie haben können. Bereits 2080 vor Christus wurde der Begriff in babylonischen Gesetzen erwähnt und schon im 19. Jahrhundert findet man die ersten Aufzeichnungen über Epilepsie bei Haustieren. In der Veterinärmedizin hat man sich heute im Wesentlichen an den Klassifikationen und Beschreibungen aus der Humanmedizin ausgerichtet.

Zum besseren Verständnis

Um das Thema Epilepsie besser und einfacher verstehen zu können, müssen Sie  zunächst wissen, dass man zwischen verschiedenen Arten der Epilepsie und den unterschiedlich auftretenden Anfällen unterscheiden muss. Kommen wir zunächst zu den unterschiedlichen Arten.   

Die zwei Arten der Epilepsie

I. Idiopathische Epilepsie                         II. Symptomatische Epilepsie

Zu I. Idiopathische Epilepsie
Hierbei kommt es im Gehirn des Hundes zu plötzlichen und gleichzeitig auftretenden Entladungen von Nervenzellen in beiden Hirnhälften. Der Begriff „idiopathisch“ besagt generell in der Medizin, dass man keine fassbare Ursache für eine Krankheit finden kann. So ist es auch bei dieser Form der Epilepsie. Man weiß aber, dass Hunde die an dieser Krankheit leiden, funktionale Veränderungen im Gehirn haben. 

Häufig treten erste Fälle dieser Krankheit bei Hunden im Alter von einem bis vier Jahren auf. Die Anzahl der Anfälle kann zunehmen und kann auf zwei und mehr Anfälle an einem Tag anwachsen. Zwischen den Anfällen wirkt der Hund ganz normal. Die Anfälle treten vermehrt aus der Ruhe heraus auf.

Zu II. Symptomatische Epilepsie
Bei dieser Form der Epilepsie liegen keine funktionalen Veränderungen im Gehirn vor sondern strukturelle. Ausgelöst werden sie zum Beispiel durch Entzündungen im Gehirn. Genau wie im ersten Fall kommt es dadurch zu Entladungen von Nervenzellen. Allerdings beginnen diese meistens von einem zentralen Punkt aus und weiten sich erst dann auf beide Hirnhälften aus. Diese Fälle treten nicht so oft in Ruhephasen auf wie bei der idiopathischen Epilepsie.

Die zwei Anfallsformen der Epilepsie

1. Generalisierte Anfälle               2. Partielle Anfälle             

1. a. Tonisch-klonisch                  2. a. Einfache                                                         

1. b. Tonisch                             2. b. Komplexe

1. c. Klonisch

Zu 1. Generalisierte Anfälle

Bei den generalisierten Anfällen unterscheiden wir im Wesentlichen diese drei unterschiedlichen Anfälle: tonisch-klonisch, tonisch und klonisch. Gerne gehen wir an dieser Stelle etwas näher auf diese „komischen“ Begriffe ein. Klonisch bedeutet das unwillkürliche aber rhythmische Zusammenziehen von Muskeln. Tonisch hingegen wird der Zustand genannt, wenn ein Muskel eine längere Zeit stark angespannt ist und auch bleibt.

Tonisch-Klonische Anfälle: Diese sehr häufige Anfallsform wird auch „Grand-Mal-Anfall“ genannt. Der Anfall beginnt meistens mit dem starken Zusammenziehen der Muskeln aufgrund dessen der Hund umfällt. Es folgt darauf die Phase bei der der Hund starkes Muskelzucken bekommt. Begleitet sein kann diese Anfallsform von Kieferschlagen, Speicheln, Kot- und/ oder Urinabsatz und Bewusstlosigkeit. Ein solcher Anfall dauert einige Sekunden bis Minuten. Dauert er länger als 20 Minuten spricht man von einem „Status epilepticus“. Das ist ein sehr ernster Notfall der dringend von einem Tierarzt behandelt werden muss.

Tonische Anfälle: Hierbei verspannt sich die gesamte Skelettmuskulatur bis hin zu mehreren Minuten, teilweise mit Atemstillstand. Es können ähnliche Begleiterscheinungen wie bei tonisch-klonischen Anfällen auftreten. 

Klonische Anfälle: Hierbei kommt es zu rhythmischen Zuckungen der Beugemuskulatur der Gliedmaßen.  

Zu 2. Partielle Anfälle

Bei den partiellen Anfällen, gerne auch als fokale Anfälle bezeichnet, haben wir zwischen den einfachen und den komplexen Anfällen zu unterscheiden.

Einfache Anfälle: Es zeigen sich nur leichte unkontrollierte Bewegungen der Beine oder einzelner Muskeln. Der Hund kann ab und an mit dem Kopf schütteln, mit dem Kiefer schlagen oder hat Zuckungen im Gesicht. Diese Anfälle laufen ohne eine Beeinträchtigung des Bewusstseins ab. Einfache Anfälle sind beim Hund eher die Ausnahme.

Komplexe Anfälle (auch „Limbische Epilepsie“ genannt): Sie äußern sich durch: Aggressionen, Kauen, unmotiviertes Bellen und/ oder Heulen, Zuckungen, „Fliegenschnappen“ oder motorisches „Im Kreis Laufen“. Diese Art der Anfälle lösen Bewusstseinsstörungen beim Hund aus. Sie können ganz plötzlich, ohne dass man einen Ansatz sehen muss, auftreten.

Welche Anfallsarten kommen am häufigsten vor?

Am häufigsten kommen mit ca. 80 Prozent die tonisch-klonischen Anfälle vor, gefolgt von den tonischen Anfällen.

Die Diagnosemöglichkeiten

Zunächst einmal muss der Tierarzt eine möglichst genaue Beschreibung des Zustandes des Hundes erhalten. Dazu zählen die Anzahl der Anfälle, die Zeitabläufe, die Intensität, die Nebenerscheinungen sowie der Rhythmus der Anfälle. Videoaufnahmen können die Beschreibung und die Beurteilung vereinfachen. Des Weiteren müssen die genetischen Dispositionen erfragt und ausgewertet werden. Dazu sind auch Informationen zu den Vorfahren des Hundes wichtig.

In nächsten Schritt müssen Blut-, Organ- und Herzuntersuchungen sowie in jedem Fall auch neurologische Befunde erstellt werden. Hinzu kommen können des Weiteren CT- und Hirnwasseruntersuchungen.

Mit den Ergebnissen müssen dann durch Ausschlussverfahren andere Krankheiten, die auch zu epileptischen Anfällen führen können, ausgeschlossen werden. Dazu zählen herzbedingte Kreislaufzusammenbrüche, Lebererkrankungen oder andere Infektionserkrankungen.

Die Therapieformen

Wenn die Diagnose eine Epilepsie ergibt und sicher ist, dass der Ursprung der Anfälle aus dem Gehirn des Hundes kommt, werden Antiepileptika verabreicht. Ziel ist es mit Medikamenten über einen sehr langen Zeitraum die epileptischen Anfälle zu reduzieren oder sie sogar ganz zu vermeiden. Dabei ist zusätzlich darauf zu achten, dass die Lebensqualität des Hundes möglichst nicht durch Nebenwirkungen beeinflusst wird. Eine Therapie sollte auch nur dann begonnen werden, wenn der Hund bereits mehrere Anfälle hatte. Ansonsten kann auf eine Behandlung zunächst verzichtet werden.

Wir beginnen in unserer Praxis sehr schnell mit einer Therapie wenn folgende Situationen vorliegen: Der Hund hat mindestens einen Anfall im Monat der mit Bewusstseinsverlust und mit Urin- und/ oder Kotabsatz einhergeht oder er hat mindestens zwei- bis dreimal im Monat leichtere Anfälle die länger als fünf bis zehn Minuten dauern. Ab jetzt kommt es vor allem darauf an, die Hundehalter auf die richtige Dosierung und besonders auf die Regelmäßigkeit der Verabreichung einzustellen. 

In unserer Praxis verwenden wir zunächst ein Phenobarbital, Luminal. Als erstes weisen wir alle Hundehalter darauf hin, dass zu Beginn der Verabreichung sowie zu jeder Dosiserhöhung der Hund öfter müde oder auch apathisch werden kann. Das muss die Halter aber nicht beunruhigen. Diese Begleiterscheinungen nehmen nach zwei Wochen ab. Manchmal auch schon etwas früher. Ab jetzt geht es darum, die sogenannte Serumkonzentration im Gehirn des Hundes so lange zu erhöhen, bis eine wirksame antieleptische Konzentration erreicht ist.

Dazu erhält der Hund am Anfang eine Dosis zwischen fünf und zehn Milligramm Luminal pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Ration muss er zweimal am Tag erhalten. In Absprache mit dem Halter wird diese Dosis in den nächsten Monaten kontinuierlich gesteigert. Das geschieht so lange, bis der Hund anfallsfrei ist (oder fast anfallsfrei) oder ungewollte Nebenwirkungen auftreten. Ist der Hund anfallsfrei sollte ab diesem Zeitpunkt zusätzlich ein zweites Medikament, Kaliumbromid, gegeben werden.

Die oben erwähnte Serumkonzentration sollte regelmäßig überprüft werden. Am Anfang bereits zwei bis drei Wochen nach Therapiebeginn, später zweimal im Jahr. Zusätzlich können bei einer Dosiserhöhung, starker Müdigkeit, bei Rückfällen in der Therapie oder bei Wesens- und Verhaltensveränderungen weitere Kontrollen erforderlich sein.

Besondern Wert legen wir in unserer Praxis auf die Beratung im Falle des Eintritts der Anfallsfreiheit. Wir müssen den Hundehaltern verständlich machen, dass es ganz besonders wichtig ist, ab jetzt die Dosis über bis zu sechs Monate konstant zu halten. Gerade deshalb, weil die Hundehalter ja den Eindruck gewinnen können, es sei wieder alles in Ordnung. Das kann zu Vergesslichkeit bei der Vergabe der Medikamente führen, der Einstellung „Endlich braucht er diese verdammten Medikamente nicht mehr“ oder wegen der erwünschten  Einsparmöglichkeit im finanziellen Bereich werden keine Tabletten mehr gekauft und verabreicht. Warum auch immer - das kann sehr kontraproduktiv enden!

Man kann die Aussetzung der Medikamentenvergabe auch noch mit einer anderen Erklärung versuchen zu vermeiden. Der Hund wird durch diese Medikamente, es handelt sich ja um ein Barbiturat, abhängig, er ist quasi drogensüchtig. Sie können es auch mit einem starken Zigarettenraucher oder mit einem schweren Alkoholiker vergleichen. Wenn Sie Ihrem Hund also von heute auf morgen die Tabletten wegnehmen, setzen Sie ihm den gleichen Qualen aus, die jemand erleidet, der sich durch einen kalten Entzug quält. Die Folgen für Ihren Hund können darin liegen, dass er noch schlimmere Anfälle bekommt.   

Wenn man es richtig machen will, vereinbart man mit seinem Tierarzt einen Plan, ab wann und wie man die Medikamente gezielt wieder reduziert. In den weitaus meisten Fällen verbleibt aber eine Vergabenotwendigkeit bis zum Lebensende des Hundes – wenn auch – und das ist positiv - mit weniger Medikamenten. Wichtig erscheint uns noch der Hinweis, dass Sie sich generell wirklich sehr genau an die Dosierungen und die Absprachen mit Ihrem Tierarzt halten. Abweichungen führen nicht zum gewünschten Erfolg. 

Die Aussichten Ihres Hundes

Wenn Sie den oben beschrieben Therapieplan mit Ihrem Tierarzt einhalten, sind die Aussichten gar nicht so schlecht. Der überwiegende Anteil reagiert positiv auf die Behandlung und Ihr Hund kann glücklich alt werden.

Vererbung

Betroffen von dieser Krankheit können alle Hunde sein, also Rassehunde wie auch Mischlinge. Einige Rassen (und hier vor allem bestimmte Familien) leiden aber besonders häufig an Epilepsie, was darauf hinweist, dass dieses einen genetischen Grund hat.

Besonders trifft es: Bernhardiner, Border Collie, Cocker Spaniel, Collie, Dackel, Drahthaariger Foxterrier, Großer Schweizer Sennenhund, Pudel, Irish Setter, Zwergschnauzer. Eine genetische Basis konnte beim Beagle, Belgischer Schäferhund, Berner Sennenhund, Boxer, Deutscher Schäferhund, Golden Retriever, Keeshond, Labrador, Shetland Schäferhund und beim Vizsla nachgewiesen werden. (Quelle: Atlas und Lehrbuch der Kleintierneurologie, Verlag Schlütersche) 

Es wird vermutet, dass Epilepsie sich über mehrere Gene vererbt. Das macht die Elimination bei der Zucht so schwer. Viele Hunde sind Träger der Krankheit die bei ihnen aber nie entdeckt wird.

Mit kranken Hunden sollte man auf keinen Fall züchten. Ebenso sollte man mit einem Hund die Zucht einstellen, der Nachwuchs hervorbringt, der an dieser Krankheit leidet.

Es wäre wünschenswert, wenn alle zuchtbuchführenden Vereine darauf achten würden, dass alle betroffenen Hunde, als auch die Eltern und die Nachkommen dieser Hunde, von der Zucht ausgeschlossen werden. In diesem Sinne wünscht Ihnen die Familie Barich mal wieder:

Fröhliche vier Tatzen


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Titelfoto: © Photography - Fotolia.com

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