
Zecken gibt es schon viel länger als Hunde. Trotzdem können sie gefährlich für sie werden. In Gräsern und Büschen liegen Zecken in einer Höhe von bis zu 150 Zentimetern auf der Lauer. Die Gefahren werden von manchen Hundebesitzern ausgeblendet und Schutzmaßnahmen werden erst ergriffen, wenn der Hund die ersten Zecken hat. Dabei muss es erst gar nicht so weit kommen. Aber wieso ist das so - und was können Sie aktiv tun?
Warum "müssen" Sie Ihren Hund schützen? ODER: Warum sollten Sie nicht auf die erste Zecke warten?
Überall in Deutschland gibt es Zecken. Selbst in den höchsten Waldgebieten sind sie anzutreffen, da sie von umherziehendem Wild mitgenommen werden. Zecken sind wahre Überlebenskünstler, die selbst in sehr kalten Regionen auf unserer Welt überleben können. Auch Zugvögel transportieren Zecken über Grenzen. Diese kleinen Anmerkungen sollen jedem Hundefreund aufzeigen: Sie sind im Freien nirgendwo sicher vor Zecken. Jetzt aber zum Thema:
Zecken können weltweit Viren, Bakterien, Würmer und Einzeller auf Hunde übertragen. Damit können sie Krankheiten übertragen, die sehr schmerzlich und gefährlich für unsere Hunde sein können. Eine Krankheit zum Beispiel, die Babesiose, kann, wenn sie nicht schnell behandelt wird, einen Hund in wenigen Tagen töten. Und selbst jeder zehnte Hund verstirbt - trotz Behandlung (Quelle: bpt).
Wenn Sie also die erste Zecke in der Haut Ihres Hundes entdecken, kann es bereits zur Erkrankung Ihres Hundes gekommen sein. Wir möchten an dieser Stelle nichts schwarz malen: Aber warum sollte man seinen Hund einem solchen Risiko aussetzen? Gerade dann, wenn man eine vernünftige Prophylaxe durchführen kann!
Krankheiten die unsere Hunde bedrohen!
Zecken können tagelang saugen und übertragen mit ihrem Speichel Krankheitserreger. Das Robert Koch Institut hat untersucht, dass bereits 20 Prozent aller Holzböcke (eine Zeckenart) die Borrelioseerreger in sich tragen. Viele der Krankheiten, die Zecken in sich tragen, sind wirklich Angst erregend. Das ist der Grund, warum Tierärzte so besorgt sind. Sie sollten allen Hundehaltern zu einer gründlichen und ausreichenden Zeckenprophylaxe raten. Und das nachhaltig.
Die wichtigsten Krankheiten und die Symptome beim Hund:
FSME Frühsommer-Meningoenzephalitis
Überträger: Auwaldzecke
Symptome: hohes Fieber, Störungen des Nervensystems, Verhaltensänderungen, starke Schmerzempfindungen, unbehandelt führt es innerhalb von einer Woche zum Tod
Borreliose
Überträger: Holzbock, Auwaldzecke
Symptome: Fieber, Appetitlosigkeit, Schlappheit, schmerzhafte Rheumaerkrankung - die erst nach Monaten mit Lahmheit auftreten kann, Herzbeschwerden, Nierenversagen, neurologische Störungen
Babesiose (auch Hundemalaria genannt)
Überträger: Auwaldzecke, Braune Hundezecke
Symptome: Hohes Fieber, gestörtes Allgemeinbefinden, Mattigkeit, blasse gelbliche Schleimhäute, dunkler Urin, Appetitlosigkeit, Konditionsmangel, Magenbeschwerden. Führt im Weiteren zu: Fieberschüben und Störungen des Zentralen Nervensystems
Anmerkung 1: Die Babesiose verdeutlicht sehr gut, warum ein Zeckenschutz so wichtig ist. Nicht selten verläuft diese Krankheit für unsere Hunde tödlich. Babesien sind Blutparasiten, die in den roten Blutkörperchen leben und sie zerstören. Dadurch erleidet der Hund eine Blutarmut. Es tritt eine Unterversorgung lebenswichtiger Organe ein, die im schlimmsten Fall tödlich für den Hund endet.
Anmerkung 2: Mittlerweile haben wir auch in Deutschland die Auwaldzecke die nicht nur den Erreger "Babesia Canis" (siehe Anmerkung 1 Babesien) in sich trägt, sondern sie auch noch an ihre Nachkommen weiter gibt. Eine weibliche Zecke legt in 30 Tagen ca. 3000 Eier. Jede einzelne, der dreitausend neuen Zecken, ist mit Babesien infiziert!
Ehrlichiose
Überträger: Braune Hundezecke
Symptome: hohes Fieber, Durchfall, Appetitlosigkeit, Krämpfe, eitriger Nasen- und Augenausfluss, Lähmungen an den Hinterbeinen, Lethargie, Tod kann durch Blutverlust eintreten
Eine Zeckensaison - was ist das eigentlich? Ab wann sollten Sie schützen?
Zecken mögen keine Kälte. Deshalb werden sie erst ab Temperaturen um sechs Grad aktiv. Zecken lieben warme und feuchte Regionen. Aus diesem Grund gibt es bei uns zwei Hauptzeckenzeiten, in denen ein deutlich verstärktes Auftreten der Zecken zu beobachten ist. Das sind die Monate März bis Juni und September bis November. Die Zeckensaison ergibt sich also aus den Temperaturen in unserer Umwelt.
Nicht selten berichten uns Kunden aber schon im Februar, dass sie die ersten Zecken bei ihrem Hund entdeckt haben. Der Grund dürfte die Auwaldzecke sein. Sie wird früher aktiv als andere Zeckenarten und leider auch länger - fast bis zum Jahresende. Erste Exemplare sind schon im Januar aktiv - die letzten im Dezember. Deshalb sollten Sie Ihren Hund vor Zecken schützen:
Bestmöglicher Zeckenschutz in der Zeit von: Februar bis Dezember
Mindestens aber in der Zeit von: März bis September
Wie finden die Zecken Ihren Hund?
Bestimmte Zecken, z.B. die Auwaldzecke, haben Augen, mit denen sie Tiere wahrnehmen können. Andere Zecken haben andere erstaunliche Wahrnehmungsmöglichkeiten, mit denen sie das Herannahen ihrer Opfer erkennen: Sie spüren das Kohlendioxid aus dem Atem der Tiere, sie bemerken Veränderungen in der Umgebungstemperatur und reagieren auf feinste Vibrationen
Welche Zecken gibt es bei uns in Deutschland?
Insgesamt gibt es 19 verschiedene Zeckenarten in Deutschland. Die drei häufigsten sind: der Holzbock, die Auwaldzecke und die Braune Hundezecke. Erwähnenswert seien noch diese Zeckenarten: Fuchszecke, Igelzecke, Mauszecke und die Schafszecke
Was ist der wirksamste Schutz gegen Zecken?
Der wirksamste Schutz vor Zecken bei Hunden ist ein medizinisches Spot-on Präparat welches den Wirkstoff Fipronil oder Permethrin enthält. Diese Mittel sind flüssig und werden im Nacken des Hundes auf die Haut geträufelt - deshalb nennt man es Spot-on.
Das Medikament hat eine doppelte Wirkung. Erstens tötet es Zecken auf dem Hund ab und zweitens verhindert es, dass die Zecken sich auf dem Hund wohl fühlen. Hat der Hund das Medikament bekommen, "brennen" den Zecken die Füße wenn sie auf den Hund gelangen und sie versuchen diesen schnellst möglich wieder zu verlassen. Diese abschreckende Wirkung wird auch der Repellent-Effekt genannt. Wie auch immer - wenn die Zecke getötet wird oder sie den Hund schnell verlässt - in beiden Fällen wird sie daran gehindert zu stechen. Und damit kann sie auch keine Krankheitserreger in Ihrem Hund hinterlassen. Ein sicherer und wirksamer Schutz.
Aber wie funktionieren diese Mittel?
Das Medikament zieht nach dem Aufträufeln (NICHT einreiben!) schnell in die obersten Hautschichten des Hundes ein und verteilt sich auf die gesamte Hautoberfläche. Von hier wirkt es gegen die Zecken. Nach dem Tag der Vergabe kann Ihr Hund auch wieder baden. Sie können Ihn auch streicheln - alles so wie sonst - nur mit einem unsichtbaren Schutzschild. Nach drei Wochen sollten Sie das Medikament neu auftragen, weil die Haut sich in dieser Zeit auf natürliche Weise erneuert hat und somit den Schutz verliert.
Anmerkung 3: Achtung: Es kommt leider immer wieder einmal vor, dass Kunden zu uns kommen, bei denen das Spot-on die Hunde nicht in dem Umfang geschützt hat, wie versprochen. Die Gründe dafür kennen wir nicht. Trotzdem bleiben die Spot-on Medikamente für uns und 99,9 Prozent unserer Kunden, der beste Schutz vor Zecken und ihren gefährlichen Krankheitserregern. Denjenigen, die mit den Spot-on nicht zurechtkommen, empfehlen wir ein medizinisches Zeckenhalsband (siehe unten).
Welche Medikamente sind zu empfehlen?
Spot-on Medikamente die Sie bei Ihrem Tierarzt erhalten sind zum Beispiel:
- Preventic
- Frontline
- Advantix
- Expot
Halsband Medikamente die Sie bei Ihrem Tierarzt erhalten sind zum Beispiel:
- Scalibor Halsband
Lassen Sie sich in Ihrer Tierarztpraxis darüber beraten, was Sie alles beachten sollten (Alter und Gewicht des Hundes, Verträglichkeit bzw. Unverträglichkeit für Katzen, etc.)
Anmerkung 4: Alternativ zu den Spot-on Präparaten gibt es auch wirksame Zeckenhalsbänder. Auch diese sollten Sie besser in einer Tierarztpraxis erwerben, da es sich dann um Medikamente handelt, die effektiv schützen.
Vorbeugen ist besser als heilen - nur Absammeln der Zecken reicht nicht immer
Kann ich meinen Hund gegen Zecken impfen lassen?
Nein! Sie können Ihren Hund nicht gegen Zecken impfen lassen. Viele Leute glauben das, weil es eine Impfung für Hunde gegen Borreliose gibt. Diese Impfung ist in Deutschland deshalb sehr umstritten, weil ihr Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis steht. Und das liegt u.a. daran, dass die Impfung nur zu ca. zehn Prozent gegen den Erreger wirkt - wohingegen nur zehn Prozent der infizierten Hunde überhaupt erkranken. Wir selber haben fünf Hunde. Keiner von ihnen hat eine "Borreliose - Impfung". Alle haben einen vernünftigen Schutz gegen Zecken über ein Spot-on Präparat.
Damit Sie sich zum Thema Borrelioseimpfungen nicht nur auf unsere Meinung und unser Wissen verlassen müssen, empfehlen wir Ihnen einen sehr anschaulichen Artikel von Herrn Dr. Roland Friedrich, Professor i.R. für Virologie und molekulare Onkologie am Universitätsklinikum Gießen. Er beschreibt sehr anschaulich und verständlich warum Borrelioseimpfungen bei uns wenig sinnvoll erscheinen. Den Link zum Text finden Sie hier.
Viele Hundehalter glauben zudem, dass Ihr Hund mit der "Zecken-Impfung" generell vor Krankheiten, die Zecken übertragen können, geschützt ist. Das ist auf keinen Fall richtig. Eine solche Impfung gibt es (leider) nicht. Dieser Glaube führt dazu, dass diese Hundehalter keine weiteren Schutzmaßnahmen ergreifen. Helfen Sie mit, diesen Trugschluss aufzuklären.
Im Sinne dieser Unterstützung verbleibt Familie Barich mit Ihrem Gruß:
Fröhliche vier Tatzen
Foto: iom123 / fotolia.com
P.S. Wenn es doch einmal passiert ist, und Ihr Hund eine Zecke hat: Wie entfernen Sie diese Zecke sachgemäß? Nehmen sie eine Zeckenzange (siehe Foto) und setzen Sie die Greifwerkzeuge so dicht wie möglich über der Haut des Hundes an - dort wo die Zecke ihre Mundwerkzeuge in die Haut verbohrt hat - greifen Sie mit der Zeckenzange nicht auf den Körper der Zecke, da sie sonst platzen könnte. Drehen Sie die Zeckenzange in einer Richtung ohne zu ziehen. Nach einigen Umdrehungen ist die Zecke raus. Wichtig: 1. Ziehen Sie die Zecke nicht raus. 2. In welcher Richtung Sie die Zecke rausdrehen ist EGAL! 3. Lassen Sie die "Wunde" so wie sie ist - packen Sie keine Mittelchen darauf.
Foto: Tierarztpraxis Barich
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Kommentare
Lieber Pets-Doc-Blog Leser,
zunächst einmal herzlichen Dank für Ihren kritischen Kommentar mit dem wir uns gerne beschäftigen.
Sicherlich ist das Absammeln von Zecken eine sehr gute Maßnahme. Doch müssen Sie hier auch zwischen den einzelnen Hunderassen unterscheiden. Die Suche nach Zecken bei einem kleinen kurzhaarigen Dackel ist deutlich einfacher und schneller erfolgt, als zum Beispiel bei einem großen und langhaarigen Leonberger.
Und letztendlich bleibt immer die Gefahr, dass Sie dennoch eine Zecke übersehen. Warum sollten Sie Ihren Hund dem Risiko einer Krankheit aussetzen, die tödlich enden kann? Wenn eine mit Babesien infizierte Zecke länger als 24 Stunden auf dem Hund verbleibt kann sie ihn mit den Erregern anstecken und er kann ernsthaft erkranken!
Der Verkauf von Spot-on Präparaten ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Schutz für unsere Hunde und die Hunde unserer Kunden. Wir verkaufen nur das, von dem wir absolut überzeugt sind. Das können Sie zum Beispiel auch daran festmachen, dass wir seit zwei Jahren kein Trockenfutter mehr verkaufen (außer für erkrankte Hunde, wo es medizinisch sinnvoll ist). Wir verzichten auf diesen Umsatz, an dem wir mal gut verdient haben, weil wir uns gegen Trockenfutter für Hunde entschieden haben.
Jetzt noch etwas zum Thema der allergischen Reaktion. Auch wenn diese immer noch selten sind, so stimmen wir Ihnen zu, dass sie, zum Beispiel als Juckreiz, vorkommen können. Aber dann kann man sich immer noch besser für ein medizinisches Halsband entscheiden, als den Hund der Gefahr auszusetzen, von einer mit diversen Erregern infizierten Zecke befallen zu werden.
Noch ein Hinweis zum Thema Knoblauch. Wir hören immer wieder, dass es wirken soll. Wir können das nicht bestätigen aber auch nicht das Gegenteil beweisen. Die zehn von Ihnen gefundenen Zecken zeigen ja, dass es dadurch keinen „sicheren“ Schutz für Ihren Hund gibt. Wir möchten Sie dennoch nicht von Ihren Maßnahmen abbringen, möchten Sie aber auf jeden Fall darauf aufmerksam machen, dass zuviel Knoblauch nicht gesund für Hunde ist.
In diesem Sinne
Fröhliche vier Tatzen
Ihre Familie Barich
ich verfolge sehr interessiert Ihre Kolumnen, und bin - gerade in Sachen Ernährung - ganz bei Ihnen (wir barfen).
Bei der Zeckenprophylax e allerdings bin ich eher vorsichtig, was den Einsatz chemischer Substanzen betrifft. Viele Hunde zeigen allergische Reaktionen auf Spot-ons, da möchte ich dann doch die Frage nach Aufwand und Nutzen stellen.
Wenn ich den Hund regelmäßig beim Spielen absammele, ist der Schutz ähnlich gut. Im übrigen füttern wir 1x pro Woche ganzjährig eine Knoblauchzehe (nicht -knolle!), und wir hatten in diesem Jahr ca. 10 Zecken zu entfernen.
Schöne Grüße aus Hannover,
Dirk mit Hope
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