
Heute starten wir mit dem zweiten Teil unserer Serie über Hundeernährung. Hört man sich in der Hundewelt so um, gibt es einige Gründe die für beide Arten von Futter sprechen. Und immer wieder hören sich viele Argumente richtig an. Aber stimmen die immer? Auch wenn sie sich so gut anhören?
Trockenfutter oder Feuchtfutter? Was ist besser für Ihren Hund?
Wir versuchen in diesem Beitrag einen Vergleich mit richtigen Argumenten. Denn leider kann man sich auf die Aussagen der Futtermittelhersteller nicht verlassen. Diese bemühen sich immer wieder, mit einfachen und schönen Werbebotschaften inklusive toller Fotos, uns in die Irre zu führen. Sie setzen darauf, dass unser Gehirn eine einfache Entscheidungsgrundlage findet und meistens wirkt das ja auch! Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema ist da schon deutlich aufwendiger, wie Sie ja hier selber merken.
1. Die Verarbeitung der Nährstoffe
Je weniger die Inhaltsstoffe eines Futters verarbeitet werden müssen, umso verdaulicher ist es. Das ist gut für den Körper Ihres Hundes, denn die Verarbeitung fällt ihm leichter! Die Inhaltsstoffe von Feuchtfutter müssen weitaus weniger verarbeitet werden, als das bei Trockenfutter der Fall ist. Feuchtfutter muss nicht gekocht werden. Es wird lediglich in der Dose erhitzt, um bakterienfrei zu sein.
Beim Trockenfutter werden fast alle Inhaltstoffe schon im ersten Herstellungsprozess gekocht, um dann, wenn alle Stoffe zusammengemixt worden sind, noch einmal gekocht zu werden. Dabei verliert das Futter sehr viel Wasser und die Inhaltsstoffe verlieren wertvolle Bestandteile.
2. Die Konzentration des Futters
Feuchtfutter hat eine bessere Konzentration an Proteinen und Fetten. Das ist gerade für Hunde wichtig. Trockenfutter hingegen hat meistens sehr viele Kohlenhydrate, die der Hund aber eigentlich nicht braucht. Das Problem für uns Verbraucher ist, dass wir zum Beispiel den wahren Proteingehalt nur schwer erkennen können. Denn um einen Vergleich über die tatsächlichen Mengen zu bekommen, müssen Sie die Verpackungsangaben auf der Trockenbasis vergleichen.
Auf einer Verpackung von Trockenfutter finden wir zum Beispiel: Proteine 22% und Wasser 10%. Auf der von Feuchtfutter steht: 9% Proteine und 78% Wasser. Sie glauben natürlich, das Trockenfutter hat mehr Proteine. Weit gefehlt - was Sie nach der Umrechnung sofort sehen. (Formel: Prozentwerte des Inhaltsstoffes/Trockenantei*100 – Beispiel: 22/90*100 = 24,4)
Schauen Sie sich einmal dieses Beispiel an:
| Trockenfutter | Feuchtfutter | |||
| Wie | Trocken- | Wie | Trocken- | |
| gefüttert | substanz | gefüttert | Substanz | |
| Protein % |
22 |
24,4 |
9 |
40,9 |
|
Fett % |
13 |
14,4 |
7 |
31,3 |
| Kohlenhydrate % |
41 |
45,6 |
1 |
4,5 |
| Faser % |
3 |
3,3 |
1 |
4,5 |
| Asche % |
7 |
7,8 |
2 |
9,1 |
| Wasser % |
10 |
Null |
78 |
Null |
Sie sehen also, ein oberflächlicher Blick lässt Sie nicht erkennen, dass das Feuchtfutter einen deutlich höheren Anteil an Proteinen hat. Und das ist nicht schlecht! Und was entgegnen Sie zukünftigen Aussagen mancher Hundebesitzer: „Trockenfutter hat viel mehr Proteine als Feuchtfutter. Musst nur mal auf die Verpackung schauen!“
3. Warum ist der Wasseranteil eigentlich so wichtig?
Über die Wasserkonzentration eines Futters und die Auswirkungen hört man sehr wenig. Trockenfutter hat nur einen Wasseranteil von acht bis zwölf Prozent wohingegen Feuchtfutter einen Anteil von bis zu 80 Prozent haben kann.
70 bis 80 Prozent Feuchtigkeit entspricht dem Anteil an Wasser, mit dem unsere Hunde seit tausenden von Jahren groß wurden. Trockenfutter gibt es erst seit etwa 80 Jahren. Anders als es uns die Trockenfutterindustrie weismachen möchte, können die Hunde die zu geringe Wasseraufnahmen NICHT kompensieren. Sie wissen nicht automatisch wie viel Wasser sie zusätzlich trinken müssen. Hunde brauchen für den Verdauungsprozess aber Wasser, so zum Beispiel in der Leber um Proteine zu verarbeiten. Trockenfutter erhöht durch den zu geringen Wasseranteil das Risiko für Blasenerkrankungen, Blasensteine oder Harnkristalle. Das gilt übrigens ebenso für Katzen.
Jetzt könnten Sie denken: „Dann kann ich ja einfach das Trockenfutter mit Wasser anreichern.“ Das ist zwar nicht schlecht (siehe unten), aber Sie sollten die Argumente aus Punkt 2 nicht vergessen. Wichtige Nährstoffe wie zum Beispiel Proteine und Fette haben im Feuchtfutter einen besseren Anteil und den verbessern Sie nicht, indem Sie einfach nur Wasser zu Ihrem Trockenfutter geben.
4. Bessere Inhaltsstoffe
Feuchtfutter besteht oft aus besseren Inhaltsstoffen. Bei der Herstellung muss den Inhaltsstoffen kein Wasser entzogen werden und so bleiben bei Nudeln, Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, Früchte und co. alle wertvollen Inhalte erhalten.
Feuchtfutter hat nicht nur einen natürlichen höheren Wasseranteil. Feuchtfutter hat auch nicht so viel Kalzium, Phosphor, Magnesium und Spurenelemente wie Trockenfutter. Und das ist auch gut so. Hunde brauchen von diesen Stoffen nicht so viel. Höhere Anteile im Trockenfutter, das sind manchmal drei- bis vierfach überhöhte Mengen, müssen Hunde über die Nieren filtern und wieder ausscheiden. Das kann auf lange Sicht zu Problemen führen.
5. Die Rolle der Konservierungsstoffe
Dosenfutter ist länger haltbar und seine Inhaltsstoffe verlieren nicht an Wertigkeit. Anders ist das bei Trockenfutter. Je älter es wird, desto mehr gehen seine Inhaltsstoffe verloren. Trockenfutter ohne Konservierungsstoffe herzustellen ist zwar theoretisch möglich, doch praktisch nicht vorstellbar, weil es in kürzester Zeit verfüttert werden müsste. Konservierungsstoffe können zwar auch in Feuchtfutter vorkommen, sind aber nicht notwendig und seriöse Hersteller werden sie nicht verwenden.
6. Aussage gegen Aussage
Es gibt immer wieder Aussagen die uns zu Ohren kommen. Schauen wir welche stimmen und welche nicht:
a) Trockenfutter kann die Zähne putzen wenn die Kroketten gut sind, Hunde zerkauen normalerweise keine Nahrung. Sie schlingen es in sich hinein. Ihre Kieferknochen können auch keine Seitwärtsbewegung machen wie bei uns Menschen. Und sie haben auch wenige „platte“ Zähne, mit denen sie das Futter mahlen könnten. Wenn Trockenfutter also wirklich eine reinigende Wirkung haben sollte, dann nur im Bereich der Backenzähne.
b) Feuchtfutter hat nicht alle nötigen Inhaltsstoffe die ein Hund braucht.
Wenn Sie in Deutschland ein Futter kaufen, egal ob feucht oder trocken, auf dem der Vermerk steht „Alleinfuttermittel“ braucht Ihr Hund generell erst einmal keine weiteren Futtermittel.
c) Feuchtfutter macht dick.
Jedes Futtermittel kann dick machen. Mann muss nur zu viel davon geben. Schauen Sie sich die Angaben des Herstellers an. Meistens sind die empfohlenen Mengen zu hoch. Wenn Ihr Hund nach einer Futterumstellung dicker wird, geben Sie ihm weniger zu essen.
d) Feuchtfutter sollte nicht ständig zugänglich sein.
Das stimmt. Aber das gilt auch für Trockenfutter. Hunde sollten feste Mahlzeiten haben, damit ihr Verdauungssystem diese zwischen den Mahlzeiten in Ruhe verarbeiten kann.
e) Feuchtfutter ist teurer als Trockenfutter.
Das stimmt (leider) auch. In Feuchtfutter sind mehr Fleisch dafür aber weniger Kohlenhydrate, welche deutlich billiger sind, enthalten.
Zusammenfassung
Je weniger die Inhaltsstoffe verarbeitet werden, umso besser ist ihre Qualität. Das ist der erste Vorteil für Feuchtfutter. Zusätzlich hat es mehr Proteine und Fette und es liefert Ihrem Hund automatisch die Wassermenge die er auch wirklich benötigt. Feuchtfutter hat bessere Inhaltsstoffe und braucht im Normalfall auch keine Konservierungsstoffe. Hunde würden, davon sind wir überzeugt, Feuchtfutter kaufen.
Und wenn Sie dennoch nicht auf Feuchtfutter umstellen möchten:
Dann füllen Sie Ihrem Hund mindestens die Hälfte des Anteils, den das Trockenfutter ausmacht, Wasser mit in den Napf. Bei jeder Ration. Oder Sie reduzieren einen Anteil am Trockenfutter und füllen noch etwas Feuchtfutter hinzu. In diesem Sinne wünscht Ihnen Familie Barich mal wieder:
Fröhliche vier Tatzen
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