Ein heikles Thema, vor allem bei "Neu-Tierhaltern", ist die Kastration ihrer Hündin. Gerade bei unseren Hundedamen sind sich die meisten Hundehalter nicht sicher, ob sie ihrem Liebling eine so große OP zumuten sollen. Die Besitzer haben natürlich Angst vor den Risiken und wollen ihren Damen selbstverständlich die Schmerzen und die mit der OP einhergehenden Unannehmlichkeiten - Halskragen und Bauchverband - ersparen. Wie bei uns Menschen - und das wissen eben auch nahezu alle Hundefreunde - birgt jede Operation, über die notwendige Narkose, Risiken. Aber schauen wir uns die Details doch ein bisschen genauer an.
Die Kastration der Hündin ist ein relativ komplizierter Eingriff, bei dem die Bauchhöhle geöffnet werden muss, um die Eierstöcke zu entfernen. Jede OP birgt, wie oben bereits erwähnt, ein Risiko. Aber dieses Risiko kann man heute bereits relativ gut eingrenzen. Dazu arbeiten die verantwortungsbewussten Tierärzte entweder mit der sehr genau zu dosierenden Injektionsnarkose oder aber auch, wie manchmal bei uns Menschen, mit der Inhalationsnarkose. Wir senken in unserer Praxis das Risiko noch weiter, indem jeder Besitzer vor der OP einen "Narkose-Informations-Zettel" bekommt, auf dem alles vermerkt ist, was er tun kann, damit das Risiko möglichst optimal in Schach gehalten wird.
Das Erfreuliche für die Hundebesitzer ist bei diesen beschriebenen Narkosearten, dass sie die Hunde im Normalfall bereits zwei bis drei Stunden nach Beendigung der OP abholen können und der Hund, außer der Halskrause und dem Bauchverband, völlig normal erscheint und schnell wieder nach Hause möchte - so, als wäre nichts gewesen. So ist es wirklich in guten 99 Prozent der Fälle.
Auch wenn wir gleich zu den Vorzügen der Kastration kommen, so müssen wir an dieser Stelle auf ein Problem aufmerksam machen, dass langfristig auftreten kann, eine mögliche Inkontinenz. Vor allem bei Hündinnen großer Rassen, also mit über zwanzig Kilo Körpergewicht, kann es vorkommen, dass sie, wenn sie schlafen oder sehr entspannt sind, den Urin nicht richtig halten können. Speziell bei Boxern, Rottweilern und Riesenschnauzern liegt die Gefahr dieses - sogenannten Harnträufelns - bei 65 Prozent. Sollte ein solcher Fall nach einer Operation wirklich einmal eintreten, kann Ihnen Ihr Tierarzt helfende Tropfen verschreiben, die gegen dieses Problem helfen.
Last but not least - kommen wir zum letzten Contra, welches gegen eine Kastration sprechen könnte. Es ist ein Argument, welches eigentlich gar kein Argument gegen die Kastration ist. Es ist das Gerücht, dass kastrierte Hunde immer dick werden. Aber das muss gar nicht so sein. Fakt ist, dass sich der Stoffwechsel nach der Kastration verändert und die Tiere ihr Futter besser verwerten. Sie neigen dadurch selbstverständlich eher dazu, dick zu werden. Aber das steuern letzten Endes Sie. Reduzieren Sie das Futter. So einfach ist das und der Hund bleibt schön schlank.
Da man mit den Eierstöcken auch die Sexualhorme entfernt, werden die Hündinnen nach einer Kastration nicht mehr läufig und auch nicht mehr scheinträchtig. Das ist zum einen ein sehr großer Vorteil für den Besitzer, denn es kann nicht mehr zu ungewolltem Nachwuchs kommen. Die nicht mehr vorhandenen Blutungen sind ein genauso willkommener Vorteil wie die nicht mehr nervenden Männchen aus Ihrer Nachbarschaft.
Aber auch für Ihre Dame hat der Eingriff viele positive Aspekte. Viele leiden an ihrer Läufigkeit. Sie verhalten sich auffällig, sind zum Beispiel sehr zurückgezogen, möchten nicht spielen und schlafen viel. Bei einigen Hündinnen kommt es zu einer Milchbildung im Gesäuge. Diese sollte auf jeden Fall vom Tierarzt behandelt werden, weil sie auch schmerzhaft für Ihren Hund sein kann. Lesen Sie mehr zum Thema Schmerzen in unserem Artikel: "Schmerzen - warum Hunde keine zeigen"
Ein weiteres Risiko ist leider mal wieder der Krebs. Es besteht bei unkastrierten Hündinnen die Gefahr, dass sie an Gesäugetumoren erkranken. Das heißt, sie haben Brustkrebs. Auch diese Tumore sollten schnellstmöglich entfernt werden, da sie dafür bekannt sind, dass sie sehr schnell streuen. Es besteht die Gefahr, dass sich auch im Rest des Körpers Tumore bilden. Besonders gefährdet ist hierbei die Lunge. Diese Tumore lassen sich meistens nur schwer entfernen.
All diese Erkrankungen, die bei unkastrierten Hündinnen auftreten können, lassen sich durch eine rechtzeitige Kastration vermeiden. Durch eine frühzeitige OP, das heißt am besten vor der ersten Läufigkeit, kann man die Gefahr von Brustkrebs um 98! Prozent senken. Eine Gebärmuttervereiterung lässt sich mit der Operation sogar gänzlich vermeiden.
Wenn Sie mit Ihrer Hündin nicht züchten möchten, können wir Ihnen eine rechtzeitige Kastration Ihrer Hündin nur wärmstens ans Herz legen. Unter "rechtzeitig" ist ein Alter von einem halben Jahr zu verstehen. Aber auch später noch überwiegen die Vorteile (siehe Absatz "Pros"). In diesem Sinne alles Gute von der Familie Barich und
Fröhliche vier Tatzen
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Kommentare
ich habe eine fast 3-jährige Tibi-Hündin, die mit jeder Läufigkeit mehr leidet. Sie ist sehr, sehr ruhig, schläft viel und frisst kaum etwas. Auch die vielen Rüden, die das Gassi-Gehen fast zur Qual machen, beeinflussen sie sehr negativ, s.h. sie will dann nicht rausgehen. Nun habe ich mit meiner Tierärztin gesprochen und ich lasse sie jetzt kastrieren. Vorab habe ich mir sehr ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und es fällt mir gewiss nicht leicht. Aber alles in allem glaube ich, dass es meiner Hündin dann besser gehen wird. Bei diesem Thema kann man prinzipiell kein JA oder NEIN sagen. Mann muss immer in Interesse des Tieres handeln und sich ausführlich informieren.
Lassen Sie mich vorausschicken, dass ich keine Kastrationsgegn erin bin. Dennoch sehe ich die Kastration sehr kritisch, nicht zuletzt deshalb, weil sie in den letzten Jahren immer regelmäßiger durchgeführt wird, und schon fast so selbstverständl ich ist, wie die Impfung. Ich finde das besorgniserrege nd.
Bei der Hündin ist die Kastration, wie Sie schon richtig sagten, ein großer Eingriff. Nicht nur weger der OP an sich, vor allem deshalb weil man über Nacht die Geschlechtsorga ne entfernt, und damit in den Hormonhaushalt eines Hundes eingreift. Das kann viele Folgen haben, Verhaltensauffä lligkeiten, Verfettung und Inkontinenz sind nur einige, die ich hier erwähnen möchte.
Zum anderen sind der Großteil der Gesäugetumore bei der Hündin gutartig. Meine erste (unkastrierte) Hündin hatte ihren ersten Mammatumor mit 10. Dieser wuchs extrem langsam, und als sie als 14jährige Hündin starb, hatte er ihr nicht einen Tag Probleme verursacht. Der Tumor war auch nicht die Todesursache.
Ich halte es für höchst bedenklich, Körperteil prophylaktisch abzuschneiden. Und ich kann mich einer Vorkommentatori n nur anschließen - wer sich eine Hündin kauft, sollte wissen, dass Hündinnen eben auch läufig werden.
Und zur Scheinträchtigk eit mit Milchentwicklun g nich ein Einwand. Das ist bei der Hündin ein normaler physiologischer Vorgang. In einem Rudel werden bei Trächtigkeit der ranghöchsten Hündin alle anderen ebenfalls scheinträchtig, um die Versorgung der Welpen zu gewährleisten. Es ist nicht schlimmes, keine Krankheit, und sollte auch nicht als solche gesehen werden.
Ich traf vor kurzem beim Gassi gehen mit meiner jungen Hündin einen Mann mit einem Labrador Mischling. Der Hund war ca. 2 Jahre alt und verhielt sich wie ein Welpe. Der Mann erzählte mir, dass er den Hund erst vor wenigen Monaten bekommen hat und dass der Vorbesitzer den Hund im Alter von 4 Monaten hat kastrieren lassen. Mehrere Tierärzte hätten ihm bestätigt, dass der Hund aufgrund der extrem frühen Kastration geistig auf dem Level eines Welpen sei.
Ich halte nichts von der allzu frühen Kastration. Und außerdem: wenn man sich eine Hündin anschafft, dann weiß man dass sie läufig wird. DAS WEISS MAN VORHER!
Ich bin kein Kastrationsgegn er - es gibt sicher Gründe dafür,...aber bitte doch nicht bei einem Babyhund!
Das sehen wir genau so! (Anmerkung der Redaktion)
Gruß aus Wetter
D. Wagener
Schon seit einigen Jahren wird nun auch hier bei uns in Deutschland die Frühkastration bei Hunden praktiziert. Glaubt man den Worten derer, die diesen Eingriff vor der Geschlechtsreif e empfehlen und praktizieren, so soll er einen noch besseren Schutz vor Erkrankungen wie z.B. Mamatumoren bieten. Verschwiegen bleibt jedoch zu oft, dass Hunde, die in einem solch zarten Alter kastriert werden, in ihrer Entwicklung so enorm beeinträchtig werden, dass sie sowohl körperlich als auch geistig nie die Reife eines erwachsenen Hundes erreichen.
Wir möchten an dieser Stelle klarstellen, dass es sich in unserem Fall keineswegs um bedingungslose Gegner der Kastration handelt. Auch wollen wir diejenigen, die die Kastration schon jahrzehntelang routinemäßig praktizieren, nicht an den Pranger stellen. ... Bewegunggrund...zum Thema Kastration von Hunden besteht vielmehr darin, dass die Kastration zunehmend als lapidarer und unter dem Aspekt der menschlichen Bequemlichkeit selbstverständl ich legitimer Eingriff dargestellt und betrachtet wird. ...wir möchten zur Diskussion und sorgfältigen Information anregen und erreichen, dass die Kastration mit allen ihren Risiken und Nebenwirkungen als das wahrgenommen wird, was sie ist: Eine Amputation nach § 6 Tierschutzgeset z, für die es einer tiermedizinisch en Indikation bedarf und deren Durchführung ausschließlich dem Wohle des Tieres dienen soll."
Quelle: www.hund-und-halter.de
P.S.dort findet man auch einen Beitrag der verstorbenen Gabriele Niepel, die sich sehr ausführlich mit dem wichtigen Thema auseinander gesetzt hat.
Eine Frühkastration vor der 1.Läufigkeit führt bei vielen Rassen dazu, dass sie nie das Erwachsenenfell ausbilden, aber auch im Knochenbau und nicht zuletzt in der Psyche haben diese Hunde nicht die Chance auszureifen.
Wer Probleme mit den Läufigkeiten hat, sollte sich vielleicht keine Hündin anschaffen? Ich halte es für sehr bedenklich als Krebsvorbeugung evtl. gefährdete Organe durch OP zu entfernen.
frdl.Grüße
Ich werde mir meinem Tierarzt Rücksprache wegrn einer OP nehmen. Unsere Hündin wird jetzt 1 Jahr alt.
Mit freundl. Grüßen Ilka Ahrens
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